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Schaummittel, "aqueous film-forming foam"
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Feuerwehr
RubrikFahrzeugtechnik zurück
Thema LF20 mit Pump an roll bei 2000L?   33 Beiträge
AutorJens8 K.8, Maintal / Hessen785665
Datum27.03.2014 11:42      MSG-Nr: [ 785665 ]8799 x gelesen

Hallo,

ich versuche mal aus meiner Sicht als Schnittstelle Hersteller / Feuerwehrmann einen kleinen Teil beizutragen:

Eine (auf einem FZ fest verbauter) Monitor ist ein Werkzeug. Es ist keine eigenständige Einheit und in dieser Form (gibt da noch verschiedene andere) untrennbar mit dem FZ verbunden. Der Einsatz bindet mindestens den MA.

Es gibt gute Gründe für und gute Gründe gegen einen Monitor. Der stärkste dagegen ist aus meiner Sicht der finanzielle Aspekt, geschätzt 10k sind der untere Einstieg. Gewicht spielt heute bei einer Hausordung von <=50 kg fast keine Rolle mehr. Unsere Werfer liegen zwischen 15 kg/1000 LPM und 43 kg/ 5000 LPM. für el. Monitor inkl. Automatikdüse. + ca. 5-x kg für Remote, Steuerungskasten, Leitungen, etc. Nach oben natürlich (Gewichts)offen. Wettbewerber liegen ähnlich.

Für einen Monitor spricht aus meiner professionellen Sicht (FW, Wirt.-Ing., SiFa):
1. Sicherheit für den Bediener: Es ist einfach nicht möglich, ein 12-18t FZ an Standsicherheit mit einem Erdnagel als Festpunkt für einen Monitor gleichwertig zu ersetzen.

2. Ein ferngesteuerter Monitor auf/an einem FZ ist bei einer Fehlbedienung/Fehllage für den Bediener weniger gefährlich abzuschalten oder zu korrigieren. Wenn ich das Ventil mit einer Taste vom Boden/Kabine aus schliessen kann, ist das eine andere Hausnummer wie wenn ich als "NOT-AUS" ein Kugelventil zuknallen muss und der Werfer aufgrund des plötzlich wegfallenden Wasserdrucks der Physik folgt und einen Satz macht. (Und bitte: Jeder Monitor folgt der gleichen Physik!)

3. Ich bin deutlich schneller bei der Wasserabgabe! - Kein Anhalten, Nebenantrieb rein, nach hinten rennen, Pumpe an, aufs Dach, Werfer aufbauen/aufstellen, ev. Teleskop rauf, Faltschlauch hochlegen und anschließen (Belastbarkeit Schlauch Druckstöße?). Sondern anfahren, Knopf für "Angriffsposition", "Ventil Wasser" (+ev. "Ventil Schaum") drücken, und mittels Joystick einregeln. Dann ev. noch die Oszillation aktivieren und ich muss nur noch überwachen. Bei einer Funk-FB kann ich mich sogar vom FZ entfernen und bei Bedarf aus der Ferne eingreifen. Wenn ich dann noch einen tragbaren Monitor aufbauen muss, der ev. mit Schaum aus Z4/Z8 im Nebenschlussverfahren arbeiten soll...

4. Meiner Meinung nach ist ein Monitoreinsatz (meistens) nur mit Schaum-/ Netzmittel zusammen sinnig. Egal ob AFFF, Ultrawet oder MBS, wenn ich bereit bin, mehrere m³ Wasser einzusetzen, sollte ich auch das bisschen Schaummittel zugeben, damit das Wasser maximal wirkt/hängen bleibt und auch erstickt und nicht bloß abfließt. Alles andere macht idR. keinen Sinn (Ausnahmen bestätigen die Regel)!

5. Es ist nicht notwendiger Weise eine Wasserverschwendung! Viele Hersteller können heute schon sehr weit Durchflüsse spreizen, z.B. 150-500, 250-1000 LPM und ähnliches, dann einstellbar an der FB. Ich muss also nicht immer Vollgas fahren. Aber wir sollten auch nicht versuchen, ZU sparsam zu sein. Ein LKW-Brand 13min lang mit einem 150 LPM HSR am SA zu löschen macht keinen Sinn. Ich bin für einen schnellen harten Angriff, dann eher 45sec mit 2000 LPM (und Schaum) und die restlichen 500 L für den Rest. KANN mehr Sinn machen als die andere Variante.

6. Werfer bei Vegetationsbränden ist eine Sache für sich. Ich bin auch ein Anhänger von Handarbeit und D-Schläuchen, allerdings haben z.B. die "alten" TLF-W bisher (ab 1970) eine Möglichkeit zu P+R (Strahlrohr aus der Kabine, FW-Mann steht auf dem Sitz) gehabt und die neueren in Form von el. Werfer eine gesteigerte Fähigkeit. Wie gesagt, ein Werkzeug und offensichtlich eins, dass man (auch) aus der Erfahrung heraus beibehalten wollte. Kann bei entsprechend ausgebauten Wegen/konzipierten FZ und einem erreichbaren Bewuchs Sinn machen, wenn es geübt wird und die Lage es hergibt. Ich muss ja nicht nur löschen, sondern kann auch einen Schaumteppich oder Nasstreifen legen. Wie der Kamerad Maushake lehrt: Der Verbund der Waffen (Werkzeuge, Strahlrohre, Werfer) macht den Erfolg. Dabei kommt der Werfer (bisher) fast nie (erfolgreich) vor. Aus mehreren Gründen: Zum einen ist ein manueller Monitor der beim fahren vom Dach bedient werden soll eine wackelige Angelegenheit. Daher lieber Frontwerfer für (auch) diesen Zweck, mit Proportionalsteuerung und anderen Anzeigen (Ausrichtung horizonal/vertikal) ist die Bedienung heute deutlich besser geworden. Zum anderen haben tatsächlich die meisten Werfer bisher keine durchflussverstellbaren Düsen. Dann ist ein 2000 LPM Monitor nonsens.

7. Wir werden als FW in der Zukunft leider sehr wahrscheinlich mit weniger Personal nach längerer Zeit an der E-Stelle eintreffen. Wenn ich dann z.B. eine Wasserwand/Riegel, Schaumteppich/Barriere von einem Mann/Frau aufbauen lassen kann, kann das den Unterschied (in diesem speziellen Fall) machen. Bsp. Scheune/Bauernhof, Wertstoffhof, Industrie...

So, das war jetzt deutlich mehr und länger als geplant. Hoffe, ich stelle mich nicht selbst als technikverliebten Aufschwätzer hin, denke aber da waren ein paar Punkte dabei, die man auch bedenke sollte/könnte.

Klar ist: Das ganze gibts nicht für umsonst, der Nutzen ist spezifisch und Feuer gehen zurück. Halt EIN Werkzeug.

Gruss

Jens

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