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Forumbeitrag:
Thema: Schneechaos in den Alpen - war: vor 40 Jahren: Schneekatastrophe ...
Autor: Tobi8as 8Jos8ef 8R.
Datum: 19.02.2019 12:42

Servus Forum,

bereits vor mehreren Tagen wollte ich einen kurzen Erfahrungsbericht über die Schneekatastrophe abgeben, wurde aber leider durch einen Einsatz daran gehindert.

Nun hier einen kurzen Einblick aus meiner Sicht:
Der erste (Nachbar-) Landkreis, der den Katastrophenfall feststellte, war Miesbach. Da weiter starke Schneefälle angekündigt waren, wurde in der Nacht vom Donnerstag, 10. Januar auf Freitag, 11. Januar der Katastrophenfall auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ausgerufen. Bereits vorher war das Tal der Jachen zwischen Wegscheid und Walchensee mit Ortsteilen der Gemeinde Lenggries und der gesamten Gemeinde Jachenau nur über Notwege zu erreichen. Über mehrere Tage fiel der Unterricht an den Schulen im Landkreis aus, da nicht sichergestellt werden konnte, dass die Schüler mit dem ÖPNV die Schulen erreichen bzw. vielfach kamen Kommunen und Anlieger nicht mehr hinterher um Gehwege ausreichend zu räumen. Die Kinder mussten zu oft auf die Fahrbahn ausweichen um vorwärts zu kommen.
Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wurde in vier Bereiche eingeteilt, Nord, Mitte, Südwest (Loisachtal) und Südost (Isarwinkel). In je einem Feuerwehrgerätehaus des Bereichs wurde eine Bereichs-Einsatzleitung eingerichtet, die in Zusammenarbeit mit der ILS Oberland in Weilheim und dem Stab im Landratsamt die Einsätze koordinierte.
Im Bereich Südost waren Feuerwehrkontingente aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Kehlheim und Stadt und Landkreis Straubing eingesetzt, außerdem weiß ich noch von einem Kontingent aus Rottal/Inn im Landkreis. Von einer Übung vor einigen Jahren kenne ich das Kontingent unseres Landkreises, das von Seiten der Feuerwehr vor Allem aus damals alten, jetzt Ex-Bund-Fahrzeugen und noch zusätzlichen LF und MTW bestand. Die Kontingente, die bei uns ankamen, waren durchwegs sehr gut ausgerüstet. Mitgeführt wurden Gelenkmasten, DLK, Abroller, Teleskoplader, usw. Die Kontingente versorgten sich teilweise über Tage selbst. Es wurde sogar berichtet, dass ein Kontingent-Koch die Küche einer Kinderklinik "geentert" hat und nicht nur für seine über 100 Mann/Frau, sondern nebenbei auch noch für die ganze Klinik gekocht hat.
Die Landespolizei war ebenfalls mit Hundertschaften im Einsatz. Diese konnten aber mangels eigenem Gerät bzw. auch weil sie nicht durften, auf kein Dach und haben daher Hydranten frei geräumt.
Von Seiten der Bundeswehr wurden u. A. Gebirgsjäger aus Mittenwald eingesetzt. Diese waren zwar mit guter Kleidung ausgerüstet, aber mit Lawinenschaufeln arbeiten ist sehr mühsam. Außerdem fiel ein Hägglunds-Fahrzeug bei der Anfahrt aus.
Obwohl wir mit Bergwachten und deren Ausrüstung sehr gut ausgerüstet sind, wurden aus fast ganz Bayern, bis nach Oberfranken, Bergwachten zur Absicherung der Kräfte angefordert und diese kamen auch hochmotiviert! Ebenso die Verpflegungskomponenten der Rettungsorganisationen, Johanniter, DLRG, BRK,... aus Schwandorf, Erlangen,... beeindruckend!
Eine Erkenntnis bei den Verpflegungseinheiten war jedoch, dass für einen niederbayerischen Feuerwehrmann, der den ganzen Tag Schnee schaufelt eine normale Portion nicht reicht! ;-)
Wenn es nichts mehr oder zu wenig zu Essen gibt, kippt die Stimmung bei den Kräften verständlicherweise sehr schnell.
Auch besonders ärgerlich für die Kontingente war, dass diese bei der Heimfahrt bereits nach wenigen Kilometern über mehrere Stunden in Stau standen.
Hier nochmals herzlichen Dank für die Hilfe!

Interessant auch die Reaktionen der Bürger! Ein Mann aus Berlin hat angeboten, dass er sich in den Zug setzt und zum Schaufeln kommt! Ein Mann auch dem Landkreis Fürstenfeldbruck hat angeboten, dass er mit seiner ("haushaltsüblichen") Schneefräste kommt. Nett auch die Reaktionen der Geschäftsinhaber wenn ein Feuerwehrfahrzeug vor dem Baumarkt parkt und 50 Schneeschaufeln braucht...

Es wurde auch Kritik geäußert, vor Allem in Geretsried, dass die auswärtigen Kräfte arbeiten, aber in der Halle der eigenen Feuerwehr alle Fahrzeuge stehen. Für meine Feuerwehr kann ich sagen, dass wir mit den Aufgaben Führung und Verpflegung/Nachschub gut beschäftigt waren. Außerdem lief auch das normale Tagesgeschäft (BMA,...) weiter. Kleinere Einsätze bzw. Ergänzung für die Auswärtigen wurde natürlich geleistet, außerdem waren unsere Kräfte auch mit Spezialgerät (z. B. DLK) im ganzen Landkreis bis spät in die Nacht unterwegs.

Das Ganze sollte nur ein kleiner Einblick in die Tages des Katastrophenfalls sein, vielleicht fällt mir später ja noch was ein.

Viele Grüße aus den sonnigen Alpen

Tobias

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