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Andreas Hanl, Weißwasser O.L.

Waldbrand - Schreckgespenst deutscher Feuerwehren !?08.01.11 22:07
... "Ein Waldbrand ist ein Schadfeuer in bewaldetem Gebiet!" ...


Waldbodenbrand bei Nacht / Foto: andreas hanl

Die Definition "Waldbrand" ist einfach und dürfte so ziemlich von jedem gewusst werden.
Nur bei der Frage, was da eigentlich brennt und Schaden nimmt, dass ist leider noch nicht jedem klar.
Oft wird der Wald als Sachgut leichtfüßig hingestellt, was aber bei genauerem hinschauen mit Nichten der Fall ist. Denn Wälder sind mehr als nur Bäume und Sträucher ...
Ohne Sie wäre das Leben auf dieser Welt nicht wirklich möglich.
Sauerstoffproduzent, Holzlieferant und Wasserspeicher, die Funktionen des Waldes hat jedermal im Bio-Unterricht gelernt. Doch gerade diese Wichtigkeit wird oft vernachlässigt. Das wird besonders deutlich, wenn es darum geht, Waldbrände zu Bekämpfen.

Das Thema Waldbrand ist ein sehr komplexes, welches hohe Anforderungen stellt, wenn man sich damit befassen will. Hierzu werden immer wieder heftige Diskussionen entfacht. Dabei wird dieser Komplex nur oberflächig beäugt, niemals tiefgründig beleuchtet.

Es fängt schon damit an, welche Form ein Waldbrand "haben muss". Doch gibt es diese eine Form???
Die vereinfachte Form wird mit Hilfe des Windes zu einer Ellipse, mit der Front und den beiden Flanken.
Doch z.B. unterschiedlich stark verteiltes Brennmaterial lässt diese Form nur schwer entstehen.
Hier sprechen einige Artgenossen dann schon sehr wissenschaftlich von einer Waldbrand-Keule.
Bei dieser Form wird jeder schwelende Baumstumpf, jede nicht verbrannte Insel extra Aufgezählt. Sogar "Finger" und "Taschen" soll es bei dieser besonderen Form von Waldbränden geben.

Warum leicht, wenn es auch schwer geht?

... "Florian xy 26/1, fahren Sie linke Flanke, dort ist der 3. Finger außer Kontrolle geraten" ...
... "Angriffstrupp zur Brandbekämpfung der rechten Brand-Tasche mit Löschgerät der Wahl aus dem Black heraus mit Sicht auf die eigentlich Front" ...

Keine Macht den Drogen, und Alkoholverbot sowieso ...

Ich schlage vor, wir bleiben bei der normalen Waldbrandform mit Front, linker und rechter Flanke.
Leider gibt es ja so schon genug Leute, die vor lauter Bäumen den Wald nicht sehn, und dann noch zusätzlich Verwirrung?

Wo wir gerade beim Thema Verwirrung sind, so gibt es derzeit einige Irrtümer um die zahlreichen Arten von Waldbränden.
Laut den Waldbrandexperten Mißbach, König und Lex gibt es 4 Waldbrandarten in Deutschland. Eigentlich vollkommen ausreichend, sind Sie doch gleichzeitig eigenständig.

Moor- / Erdbrände -> hier brennt es unterirdisch, geringe Laufgeschwindigkeit und hoher Bekämpfungsaufwand
Bodenbrände -> hier brennt alles auf dem Boden befindlich Material, teils auch mit über 2 m Flammhöhe
Vollbrände -> hier brennt der Gesamte Bestand, die Flammen schlagen über dem Kronendach mehrere Meter hoch bzw. durch Wind nach vorn, für Laien entsteht der Eindruck von einem "Wipfelfeuer"
Stammbrände -> hier brennen einzelnen Stämme z.B. durch Blitzschlag, nach mehreren Tagen immer noch Gefahr von dadurch entstehenden Bodenbränden

Doch diese 4 Arten reichen einigen "Experten" nicht, es müssen noch mehr vorhanden sein, um die Verwirrung perfekt machen zu können.
Und so kommt es, dass ich teilweise meine Augen nicht trocken bekomme, getreu dem Motto

... "lachst du noch, oder heulst du schon" ...

Die seltsamsten Dinge werden hier genannt, und der kleine Feuerwehrangehörige, der nun den brennenden Wald löschen soll, bekommst mit der Angst zu tun und haut ab. Na toll!!!

So hört oder ließt man des Öfteren, dass das gemeine Wipfel- oder Kronenfeuer sein Unwesen treibt. Es soll sich an den wehrlosen Kronen der Bäume zu schaffen machen, und alles überspringen.
Doch wehe, es kommen Löschknechte, die mittels Tanklöschfahrzeugen die "Wasser"-Schlacht gegen das Bodenfeuer richten, denn dann bricht auch das Kronenfeuer zusammen. Kann es sein, dass dieses Kronenfeuer keine eigenständige Brandart ist, sondern lediglich der Anblick eines Vollbrandes, der heftig am brennen ist? Denn beim Vollfeuer können die Flammen enorme Längen annehmen, die mit Hilfe des Windes sich weit nach vorne neigen. Richtet man nun aber den Löschstrahl gegen das Bodenfeuer, so bricht das Vollfeuer zusammen.

Ebenfalls soll es die Flugfeuer geben, die weit vor dem eigentlichen Hauptbrand neue Brände entstehen lassen. Fliegen da etwa 30 m² Waldbodenbrand durch die Luft?
Nein, denn dieses "Phänomen" gibt es auch bei anderen Brandeinsätzen, wie z.B. Gebäudebrände usw.
Der Begriff Funkenflug wäre hier angebracht, doch klingt er weniger spektakulär.
Doch mehr ist es am Ende nicht. Sicher ist, dass bei Waldbränden größeren Ausmaßes glühende Teile durch die Luft fliegen, welche dann irgendwann immer noch glühend auf dem Waldboden landen, und somit neue Bodenbrände entfachen.

Eine dritte, verwirrende Brandart ist das so genannte Stockfeuer. Ja, richtig, Stockfeuer. Hierbei soll es sich dummerweise um brennende Baumstümpfe handeln. Ich finde dieser Brandart als sehr hinterhältig für den Feuerwehrangehörigen, soll er doch im Black sicher sein. Und nun das.
Wie geht man nun bei solch brennenden Stöcken vor? Ausbuddeln wird unter den "Waldbrandexperten" da als heißer Tipp gehandelt.

Man kann ein Bodenfeuer aber auch zu einem Monster machen.

So, und nun stell er sich vor, er müsse jetzt zu einem Löscheinsatz in den Wald, mit dem neuen Wissen, dass es vor, hinter, neben, unter und über ihm brennt.
Das Schreckgespenst deutscher Feuerwehren hat einen Namen ...... WALDBRAND ......

Nach dem wir uns nun die zig Varianten eines Waldbrandes angeschaut und uns somit unser Wissen auffrischen konnten, kommen wir zu der Bekämpfung vom Feuer im Wald.
Auch hier gibt es zahlreiche Meinungen, Erfindungen, Experten und Geräte.
Dabei ist aber zu beachten, des es unterschiede bei den Feuerwehren gibt. Die einen, die seit eh und je Waldbrände, auch größere, bekämpfen und darauf bauen ..."das haben wir immer schon so gemacht"... und die anderen, die bisher wenig Feuer im Wald gelöscht haben. Zweitere werden in Zukunft keine Änderung spüren oder genau gegenteiliges, nämlich mehr Waldbrände.
Es gibt also auch in Deutschland Waldbranderfahrene und solche, die es noch werden wollen oder gar müssen.
Der einfachste Weg wäre hier, die Erfahrungen in Diskussionen und Fachvorträgen einfließen zu lassen.

Man kann aber auch jedes mal das Rad neu erfinden.

Und so gibt es zahlreiche Artgenossen, die unter anderem die guten alten Handlöschgeräte neu erfinden und anpreisen. Ok, vor langer, langer Zeit, quasi zu Opas Zeiten, wurden Waldbrände nur mit Hilfe von Spaten und Patschen (damals noch mit Stoff) bekämpft. Man kommt aber als Löschknecht recht schnell an seine Grenzen, wenn das Feuer etwas größer wird oder aber man bei 30°C im Schatten die Waldböden bestellen muss.
Da hört man dann unter anderem, dass Feuerwehrleute sich mit Schläuchen den Berg hinauf quälen, und oben angekommen und vor kraft strotzend sich der Handarbeit hingeben.

Wer keine Arbeit hat, der macht sich eben welche ...

Nun gibt es da noch diverse Stoffrohre, wodurch Wasser fließen kann, welches man auf das Feuer spritz.
Gemeint sind Schläuche, welche in unterschiedlichen Größen vertrieben und erworben werden können. Doch welche Größe ist denn nun die Richtige???
Hierbei ist vorher zu Berechnen, wieviel Löschwasser zur Bekämpfung notwendig ist.
Eine allgemeine Expertenmeinung ist, so wenig Wasser wie möglich einzusetzten. Da gebe ich vollkommen Recht, wollen wir doch Ost- und Nordsee erhalten. Nur wieviel Wasser braucht ein Waldbrand?
Die meisten Brände findet man in Deutschland am Boden. Die Intensität schwankt dabei regional besonders stark. Wo bei den einen nur die Laubschicht brennt, entwickelt sich ein Feuer anderswo bedingt durch Reisig und leichtbrennbaren Nadeln zu einer wahrhaftigen Feuersbrunst.
Jeder Löschknecht ist froh, sowenig Gewicht wie möglich mit zu schleppen. Hier wäre das D-Rohr das Mittel der Wahl. Doch bedenke, dass aus solch einem Schläuchlein nur wenig Wasser rauskommt, auch die Wurfweite ist nicht berauschend. Was nützt Leichtigkeit, Flexibilität und hohe Mobilität, wenn ich das Feuer nicht unter Kontrolle bringen kann?

Derweil es 1001 Gerät zur Waldbrandbekämpfung gibt, fehlt noch das passende Fahrzeug dazu.
Denn irgendwie müssen ja Waldbrandrechen, Löschrucksack und Schaummittel in den Wald gebracht werden.
Die Geräte und Mannschaften per Hubschrauber abwerfen zu lassen, ist eine Möglichkeit. Doch dank des Waldbrandschutzes gibt es auch zahlreiche Waldwege, die mehr oder weniger gut ausgebaut in den Wäldern Rumliegen und darauf warten, benutzt zu werden.
Doch mit welchen roten Geschossen soll nun ausgerückt werden?

Die Gallier, ein kleines, meist im Osten Deutschlands lebendes Volk geht seinen eigenen, dickköpfigen Weg. Sie fahren mit Tanklöschfahrzeugen in ihre Wälder.


die TLF-Taktik, hier bei einer deutsch-polnischen Waldbrandübung / Fotos: andreas hanl

Das besondere an diesen fahrbaren Wasserbombern ist, sie haben einen großen Wassertank mit dabei, im Schnitt 4500 Liter. Damit will dieses Volk wörtlich einen massiven Erstschlag beginnen, um dem Schreckgespenst "Waldbrand" die Lust am Brennen zu nehmen.
Und das mit Erfolg. Es sind eben Erfahrungen, die sie über lange zeit gemacht haben.

Doch da gibt es ja noch die Römer. Diese sitzen zu meist in Großen Orten Westdeutschlands. Dort ist es noch nicht ganz so Brandgefährlich. Und trotzdem haben Sie Einwände gegen das vorgehen des kleines Volkes.
Die Römer können es nicht verstehen, warum man da drüben Spaten und Co. einen guten Mann sein lässt. Auch ist es eine Unsitte der Gallier, die Waldbrandbekämpfung immer und immer wieder in Wasserschlachten Enden zu lassen.
Besser ist doch, wenig Wasser, viel Seife und noch viel mehr Handarbeit zu leisten, so wie früher, als Opi noch jung war.
Für die ganz harten Kerle können Waldbrände auch noch LöschGesprengt werden.
Da bekommt die "Helmpflicht" ne ganz neue Bedeutung zugesprochen.

Nun Ja, es gibt der Sachen viele, die das Thema Waldbrand nicht Öde erscheinen lassen.
Egal ob Erfahrung von Feuerwehren, ob Autor einer Fachliteratur oder Gründer von Vereinen, alle sollten doch eines gemeinsam haben ....

... den Wert das Waldes richtig zu Schätzen ...


Dieser Beitrag zeigt sowohl Ernste, als auch Ironische Passagen auf.
Wem die Jacke passt, der soll sie sich auch anziehen.

Ach und übrigens, dieser Beitrag spricht meiner persönlicher Meinung aus dem Herzen.

Andreas Hanl







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