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Andreas Hanl, Weißwasser O.L.

Eine Erfindung bei Weißwasser schützt die Lausitzer Wälder noch Heute .... der Feuerwachturm von SEITZ17.12.12 12:53
Sie gehören zu den am stärksten von Waldbränden gefährdeten Wäldern Deutschlands und können mit den Wäldern am Mittelmeer locker mithalten. Die Rede ist von der Lausitz, genauer genommen sind es die Wälder der Lausitz.

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Lausitztypischer Kiefernaltbestand mit Naturverjüngung > hochgradig Vollbrandgefährdet

Bedingt durch die Sandböden und geringen Niederschlägen kommen nur wenige Pflanzen in Frage, die sich diesen Herausforderungen stellen. Somit bildet die Kiefer (Pinus sylvestris) die Hauptbaumart der lausitztypischen Waldbestände.
Diese Baumart kommt sehr gut mit den Nährstoffarmen Böden, wenig Niederschlägen und den lockeren Sandböden zurecht, letzteres bedingt durch ihre Pfahlwurzeln.

Bereits vor der Ansiedlung des Menschen in der Lausitz war die Kiefer neben der Birke und der Eiche die Hauptbaumart in dieser Region. Das lag daran, dass nach der letzten Eiszeit hier Sande übrig geblieben sind. Auch großflächige Dünenfelder wurden so erschaffen, die teilweise als Wanderdünen nicht mit Pflanzen besiedelt wurden.
Hinzu kommt das hier so typische Kontinentalklima, welches für längere trockne und warme Perioden, wie z.B. im Sommer, sorgt.
Niederschläge können nicht lange gehalten werden, fließen durch die Sandschichten schnell ab in tiefere Schichten.

Da die Kiefer im Vergleich zur Fichte im alter nur eine kleine, lichte Krone besitzt, kommt viel Sonnenlicht auf den Waldboden. Somit können sich Gräser und Beersträucher breitmachen.
Stellenweise kommt es aber auch vor, dass es in älteren Kiefernbeständen außer der Nadelstreu und dem Reisig kein weiterer Bewuchs zu finden ist.
Mit der Ansiedlung von Menschen in der Lausitz wurde diesen Kiefernwäldern mehr Bedeutung zugesprochen. Man brauchte den Rohstoff Holz zum Bau von Gebäuden, Geräten und zum betreiben von Öfen und Maschinen.
Und so kam es, dass aus den lichten Wäldern bald dicht bestockte Wirtschaftsforste entstanden.
Denn die Kiefer war in dieser Region die einzigste Baumart, die unter den mageren Bedingungen am schnellsten wuchs und somit schnell verwertet werden konnte.

So entstanden durch den Menschen erstmals reine Monokulturen, welche aber auch gleichzeitig Waldbränden reichlich Nahrung bot.
Und so gab es in der Vergangenheit oft große Waldbrände, die auch Ortschaften gänzlich vernichteten.
So zum Beispiel wurden im Jahr 1637 die Wälder rings um Weißwasser herum von kaiserlichen Truppen in Brand gesteckt, um den Bewohner des Ortes habhaft zu werden, welche sich mit ihrem Hab und Gut in den Standesherrschaftlichen Wäldern versteckten.
Der bis dahin größte Waldbrand tobte sechs Wochen und äscherte auch einen Großteil des Dorfes Weißwasser ein.

1775 brach nordöstlich von Weißwasser ein weiterer Waldbrand aus, der wiederum einen Großteil der Wälder vernichtete, zugleich aber auch 4 Dörfer, unter anderem Weißwasser, stark beschädigte.
Das Feuer hatte leichtes Spiel, waren doch die Monokulturen aus Kiefer stark feuergefährdet und auch die Häuser waren oft nur aus Holz.
Um weitere übergriffe von Waldbränden auf den Ort zu verhindern, legten die Bauern Schutzgürtel, bestehend aus Feldern und Wiesenflächen, an.

Weißwasser lag also in mitten großer, zusammenhängender Kiefernwälder. Holz war der Rohstoff, der reichlich vorhanden war.
An der Süd- und Westgrenze des Ortes befand sich ein großes Waldmassiv, der Standesherrschaftliche Tiergarten.
Die in diesem Gebiet ausgebrochenen Waldbrände waren oft katastrophal und zerstörerisch, bedrohten auch die Nachbarorte.
Dieses Waldmassiv war recht groß und demzufolge unübersichtlich. Beginnende Waldbrände konnten nicht rechtzeitig entdeckt und somit erfolgreich bekämpft werden.
Zudem war das Waldgebiet sehr wildreich, was auch die Standesherren von Muskau nicht verachteten, daher die Bezeichnung Tiergarten.
Es musste also eine Lösung gefunden werden, welche es in Zukunft ermöglichte, die Wälder irgendwie vor diesen Feuersbrünsten zu bewahren.

Bereits um 1850/60 errichtete Prinz Friedrich der Niederlande einen Chinesischen Turm auf einer Anhöhe am Grünen Weg zwischen dem Ort Weißwasser und dem Standesherrschaftlichen Jagdschloss.
Der Turm war eigentlich als Aussichtsturm für die Jagdgäste gedacht, später aber auch zur Brandüberwachung genutzt.
Des Weiteren gab es südlich davon auf einer weiteren Anhöhe noch eine Signalstange.

Um die Beobachtung der Wälder noch effektiver zu machen, war eine weitere Entwicklung von Nöten.

Und So erfand der damalige Oberförster Walter Seitz ein System, was bis dahin einzigartig war und noch heute zur Waldbrandfrüherkennung eingesetzt wird.
Er ließ in den Jahren 1890 bis 1900 zwölf bis achtzehn Meter hohe, aus Rundhölzern bestehende, Beobachtungstürme bauen. Der erste Turm davon stand auf der Anhöhe am Grünen Weg, welche mit 169 m über NN die höchste im ganzen Gebiet war.

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an dieser Stelle am Grünen Weg bei Weißwasser stand um 1900 der weltweit erste Feuerwachturm

Ebenfalls entwickelte er ein einheitliches Signalsystem, was ermöglichte, die genaue Position des Brandherdes zu ermitteln.
Damit auch die Bewohner des Dorfes Weißwasser diese Lichtzeichen sehen konnten, war eine Sichtschneise nötig. Diese wurde vom Turm am Grünen Weg durch das Waldmassiv bis zum herrschaftlichen Vorwerk, dem Dominium Weißwasser, angelegt.
Die Bewohner des Vorwerkes konnten somit die vom Feuerwächter gezeigten Signale erkennen und sich mit Pferden und Löschgeräten in den Wald begeben, um den georteten Waldbrand rasch zu bekämpfen und den Schaden gering zu halten.
Dazu war eine Tafel, angebracht am Vorwerk, versehen mit den 18 umliegenden Orten und den dazu gehörigen Ziffern.

Damit in den riesigen Waldbeständen die Mannschaften das Feuer auch schnell finden konnten, ließ der Oberförster Hahn das ebenfalls bis dahin einzigartige Waldschneisennetz mit Gestelllinien errichten.
Gleichzeitig dienten diese Schneisen (Gestelle) als natürliche Auffanglinien, welche die Brände ebenfalls stoppen sollten. Durch das anlegen dieser Schneisen entstanden ca. 45 Hektar große Waldstücke, auch Jagen genannt.
Diese waren ebenfalls Nummeriert.
Ursprünglich war diese Waldeinteilung zur besseren Waldbewirtschaftung (Planung) gedacht.
Noch heute sind diese Schneisen in den hiesigen Wäldern zu finden.

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Karte von Weißwasser aus dem Jahre 1954 - gut zu erkennen die quadratische Waldeinteilung von Seitz

Für die Erfindung des weltweit ersten Feuerwachturmes erhielt Oberförster Seitz im Jahre 1902 das Deutsche Reichspatent.
Da es auch anderswo große, zusammenhängende Wälder gab, die oft von Bränden massiv zerstört wurden, war der Seitzsche Feuerwachturm sehr gefragt.
Und so kam es, dass er mit seiner Erfindung 1904 zur Weltausstellung nach St. Louis / USA reiste, und diese den dortigen Besuchern vorstellte.
Die Mehrheit befand diese Erfindung für sehr praktisch.
Mehr und mehr dieser Feuerwachtürme wurden in den Lausitzer Wäldern errichtet, im Jahre 1903 waren es bereits 20 Türme mit einer überwachten Fläche von ca. 27.600 Hektar.
Hinzu kamen unter anderem die Königliche Oberförsterei Hoyerswerda sowie die Rittergüter Jahmen und Weißkollm.

In der DDR wurde der Feuerwachturm weiterentwickelt. Baumeister Marusch aus Hoyerswerda baute die noch heut typische Feuerwachturmform Typ Hoyerswerda aus Beton und Stahl.
In der Kanzel befand sich eine Scheibe mit einer 360° Einteilung und einer Peileinrichtung.
Bei Brandmeldung zweier benachbarter Türme konnte per Kreuzpeilung der Brandort sehr genau lokalisiert werden.
Es war mit Hilfe dieser Beobachtungstürme möglich, die Wälder in Zeiten höchster Brandgefahr ständig zu beobachten.
Nur so konnte der ein oder andere Großbrand verhindert werden.

Heut zu Tage sind diese Feuerwachtürme nur noch selten von Menschen besetzt, denn die Technik hat auch hier Einzug gehalten.
Kameras, ursprünglich für die Weltraumforschung entwickelt, drehen nun ihre 360°-Runden und senden ständig neue Bilder an die in den Landkreisen verteilten Waldbrandzentralen.
Dort sitzt geschultes Personal und wertet die Bilder aus.
Und auch hier wird nach dem alten Prinzip der Kreuzpeilung verfahren, um den Brandort so genau wie möglich an die Leitstellen und schließlich an die Einsatzkräfte weiter zu geben.

Trotz dieser Erfindung konnte aber auch in den letzten Jahrzehnten nicht verhindert werden, dass einzelne Waldbrände abermals katastrophale Ausmaße annahmen.
Hier spielten entscheidende Faktoren wie unter anderem Wind eine beachtliche Rolle.
Aber auch die immer wieder, teils durch Waldbrände mit verursacht, in Monokultur angelegten Kiefernbestände, hier vor allem Jungbestände, waren nicht sicher vor Vollbränden, der gefährlichsten Waldbrandform.
Er steckt in einem Teufelskreis, der Lausitzer Wald.
Ob nach Kriegshandlungen, naturferner Bewirtschaftung, Tagebaue oder großflächige Brände, es entstanden und entstehen immer wieder Kiefernreinbestandskomplexe, die stark anfällig gegen Stürme, Insekten und eben Waldbränden sind.

So waren auch in den Jahren nach der Seitzschen Erfindung noch zahlreiche Waldbrände mit ernormen Schadflächen anzutreffen, was aber auch auf die Löschtechnik zurückzuführen ist.
So gab es um 1900 nur Pferde mit Gespannen und Dorfbewohner mit Spaten und Zweigen.
In der DDR wurde die Feuerwehrtechnik weiterentwickelt, man konnte schneller zum Brandort gelangen, führte gleichzeitig Wasser in Tanks mit und sogar die Brandbekämpfung aus der Luft mittels Agrarflugzeugen war möglich.
Aber auch dieser Vorsprung half nicht immer. Denn wenn in einem Gebiet gleich drei Waldbrände ausbrachen, hatte es eine Weile gedauert, bis an jedem Einsatzort ausreichend Einsatzkräfte und deren Technik vor Ort war.
Dies war unter anderem 1988 der Fall, als fast zeitgleich Brände im Hermannsdorfer Revier und am Braunsteich (beide Weißwasser), aber auch beim Umspannwerk Graustein ausbrachen.

Noch heute sind die Folgen der Großwaldbrände aus früheren Tagen in der Lausitz Sichtbar. So unter anderem im Hermannsdorfer Revier bei Weißwasser und zwischen Schleife und Graustein.
Endlos wirkende Jungbestände aus Kiefer, um die 20 Jahre alt und hochgradig Vollbrand- gefährdet.
Es ist also nicht auszuschließen, dass es in Zukunft wieder zu Groß- oder gar Katastrophenwaldbränden kommen kann. Das Potenzial dafür ist enorm hoch.

So ist das eben in den Lausitzer Wäldern. Der Rote Hahn schläft hier nie, er ruht nur.
Ein Ausstieg aus diesem Teufelskreis ist eher unwahrscheinlich, da die wirtschaftlichen Belange vordergründig sind, trotz Waldumbaumaßnahmen hin zu Mischwäldern.
Auch dürfen die Diskussionen über den zukünftigen Klimawandel nicht vergessen werden.
Laut den Wissenschaftlern wird es in der Lausitz in den nächsten hundert Jahren einen Anstieg der Temperaturen, gleichzeitig eine Abnahme der Niederschläge geben.
Und der Wald braucht eben seine Zeit zum wachsen, und so muss weit im voraus geplant und gehandelt werden, um für die Zukunft gut gerüstet zu sein.

Nur eines wird man wohl nicht ändern können, nämlich die für die Lausitzer Wälder typischen Sandböden.

Andreas Hanl

Quelle Fotos: andreas hanl

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