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Andreas Hanl, Weißwasser O.L.

Die vorprogrammierte Katastrophe?!29.08.11 19:34
Demografische Entwicklung und Klimawandel am Beispiel Waldbrand


In Deutschland ist die Waldbrandursache Nummer 1 der Mensch. Derselbige ist es aber auch, der Jahr für Jahr dagegen ankämpft. Dabei ändern sich Klima und Bevölkerung dramatisch. So wird die Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um etwa 3 Grad Celsius steigen. Daraus folgen längere Perioden mit Trockenheit und Wärme. Die Waldbrandgefahr wird sich enorm erhöhen. Zum anderen verändert sich die Bevölkerung in diesem Land. Es gibt mehr ältere Menschen. Aus Perspektivlosigkeit und hoher Arbeitslosigkeit verlassen die wenigen jungen Leute die ländlichen Regionen. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Feuerwehren, vor allem die kleinen Ortswehren, nicht mehr am Tage einsatzbereit sind.

Werden wir zukünftig mit mehr Waldbrandkatastrophen leben müssen?

Fakt ist Wir müssen handeln! Jetzt!


Klimawandel

Die Erde unterliegt einem ständigen Wandel aus Kalt- und Warmzeiten.
Derzeit befinden wir uns in einer dieser Warmzeit. Menschen, Tiere und Pflanzen haben sich mit der Zeit daran angepasst. Doch was würde passieren, wenn es zukünftig noch wärmer werden würde? Nach den Berechnungen zahlreicher Klimaexperten muss bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung im Durchschnitt von ca. 3 Grad Celsius für Deutschland ausgegangen werden. Was sich aber erstmal gar nicht soviel anhört, wird bei genauerer Betrachtung etwas brisanter. Die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur geht mit einer Erhöhung von sog. Extremwetter-lagen einher. Im Klartext bedeutet das mehr Niederschläge im Winter vor allem als Regen, im Frühjahr und Sommer dagegen trocken und warm, abwechselnd mit stärkeren Gewittern. Unsere Wälder müssen sich dem ganzen anpassen. Auf sowieso schon trockenen, warmen Standorten bleibt es bei der Hohen Waldbrandgefahr. Anders sieht das bei den Wäldern mit geringer Brandgefahr und einem höheren Anteil an Laubbäumen aus. Hier wird sich früher oder später etwas ändern, nämlich hin zu einer Erhöhung der Waldbrandgefahr.

Aus wirtschaftlicher Sicht wird sich der Klimawandel negativ auf den zukünftigen Wald ausüben. Anspruchvolle Bäume werden es mit zunehmender Trockenheit schwer haben, soviel Holz zu produzieren, wie es die bereits jetzt schon angepasste Nadelbaumart Kiefer auf Nährstoffarmen und wasserdurchlässigen Böden vormacht.
Hinzu kommen u.a. die Aufforstungen von größeren Kahlflächen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Flächen durch Waldbrände, Stürme oder Tagebaue entstanden sind. Es gilt, diese zukünftigen Waldflächen Standortgerecht zu bestocken, und dabei 100 Jahre Voraus zu denken. Denn das, was heut an Wald gepflanzt wird, kann erst in 100 Jahren Gewinnbringend geerntet werden.

So kostet ein Hektar Laubholzkultur ein Vielfaches mehr als im Vergleich zu einer Nadelholzkultur. Das resultiert aus den hohen Kosten für die Laubholzsetzlinge und den unabdingbaren Zaunbau, welcher vor den Schadeinwirkungen des Wildes schützen soll.
Das stark nachgefragte Industrieholz darf ebenfalls nicht viel Kosten und muss dabei noch in großer Menge schnell wachsen.

Wird die Kiefer zum Baum der Zukunft?

Die Kiefer, vor allem in großen Beständen dicht an dicht, birgt ein enorm hohes Feuerrisiko. Das liegt an den trockenen, warmen und Grundwasserfernen Stand-orten und der Leichtentzündlichkeit dieser Baumart. Steht die Kiefern in jungen Jahren in sog. Reihenbestandkomplexen auf hunderten Hektar, ist die Gefahr von Waldbränden größeren Ausmaßes extrem hoch. In der Vergangenheit gab es eine Vielzahl von Waldbränden, die mehrere hunderte, gar tausende Hektar Wald vernichteten. Es ist äußerst schwierig und zudem gefährlich, solch Flächenbrände einzudämmen. Um dem Vorzubeugen, gibt es eine ganze Bandbreite an Maßnahmen, die mehr oder weniger hilfreich, dafür aber kostenintensiver sind.
Einen 100%igen Schutz vor Waldbränden wird es auch in Zukunft nicht geben. Deshalb ist es umso wichtiger, entstandene Feuer schnell zu lokalisieren und dann rasch zu bekämpfen. Aus den Erfahrungen heraus ist die erste halbe Stunden von enormer Wichtigkeit, um einen Waldbrand noch kontrollieren zu können.
Hierzu muss die gesamte, waldbrandgefährdete Waldfläche überwacht werden. Ob sich dabei Kamerasysteme in 8 Minuten 360° drehen und nach Rauchfahnen Ausschau halten, oder aber mit Flugzeugen der Wald beobachtet wird, beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.
Ist ein Waldbrand erstmal als solcher entdeckt, muss diese Meldung schnell der zuständigen Leitstelle übermittelt werden, um zeitnah die Feuerwehren zu alarmieren. Diese müssen dann auf dem schnellsten und direkten Weg zum Brandort, um dort das Feuer angreifen zu können. Vorhandene, in feinmaschigen Netzen angelegte Waldwege, können das ganze enorm vereinfachen und somit Zeit sparen helfen.
Diese Waldwege sind zu dem in der Lage, kleinere Brände aufzuhalten, was auch mit dem Anlegen von Wundstreifen erreicht werden soll.
Ist das Feuer bereits in die Kronen gelangt und schreitet mit Hilfe von starkem Wind rasch vorwärts, können sog. Laubholzriegel für eine Abschwächung der Feuerfront sorgen. Alle Vorbeugenden Maßnahmen haben eines Gemeinsam. Sie kosten viel Geld.

Wird Deutschland sich zukünftig den Waldbrandschutz etwas kosten lassen? Müssen?

Fazit:

Deutschland muss sich bis zum Jahr 2100 auf eine grundlegende Erhöhung der Waldbrandgefahr einstellen. Unsere Wälder müssen sich den klimatischen Änderungen anpassen und werden sich somit verändern. Wie das Regional aussehen wird, ist derzeit noch nicht vorhersagbar. Mit den zukünftig längeren Trocken- und Hitzeperioden steigt auch das Risiko für Katastrophenwaldbrände. Darauf müssen wir uns heute schon vorbereiten, bevor es zu spät sein wird.


Demografischer Wandel

Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert gleichermaßen. Besonders hart trifft das die ohne hin schon Bevölkerungsarmen Regionen, hier vor allem der ländliche Raum. Durch die hinzukommende hohe Arbeitslosigkeit in diesen Regionen wandern vor allem die jungen Menschen ab in Richtung der Ballungszentren. Dörfer, kleine und mittlere Städte bekommen das seit Jahren zu spüren. Zurück bleiben Gemeinden mit einem hohen Anteil an älteren Menschen. Daraus resultieren gleich zwei drastische Probleme.

Das erste Problem betrifft die direkte Nutzung des Waldes. Früher wurden die Wälder recht intensiv genutzt, von der Bodenstreu für die Tierställe über das Reisig für die Öfen bis hin zum Stammholz für die Bauindustrie.
Heutzutage wird im Wald nur noch das vermarktungsfähige Holz geerntet. Streu und Reisig bleiben im Wald zurück, unter anderem für den Umweltschutz. Das hat trotz allem zur Folge, dass die Brandlast in den deutschen Wäldern enorm ist. Nach Durchforstungsarbeiten ist der komplette Waldboden mit Reisig bedeckt. Idealer Nährboden für Schadinsekten und guter Zündstoff für Waldbrände. Ebenfalls erhöht sich die Bodenauflage. Dort können sich Glutnester längere Zeit halten, bei Wind aufflammen und zu erneuten, großen Waldbränden führen. Aber auch das Durchkommen für die Einsatzkräfte wird somit erschwert.

Problem Nummer zwei des demografischen Wandels betrifft die Feiwilligen Feuerwehren. Heutzutage kann kaum noch eine reine Freiwillige Feuerwehr die Einsatzbereitschaft am Tage, vor allem Werktags, aufrecht erhalten. Schon heute fehlt es an Einsatzkräften, vor allem an jüngeren. Teilweise wurden kleinere Ortswehren bereits geschlossen oder mit anderen zusammengelegt.
Aber genau diese kleinen Wehren waren früher die ersten am Brandort und konnten mit einfachen Mitteln die noch kleinen Brände mühelos bekämpfen. Andererseits kannten sie sich in Ihren Revieren bestens aus, wussten, wo es gefährliche Ecken im Wald gab, wo der nächste Löschteich zu finden war.
Die erste halbe Stunde nach dem entdecken eines Brandes war die Effektivste, um größere Brände zu verhindern.
Mit jeder weiteren Minute steigt das Risiko für Waldbrandkatastrophen enorm.
Der Wind mit seinen unberechenbaren Böen ist da nur ein negativer Faktor.

Zu den Folgen des demografischen Wandels kommt noch die Geldnot der Kommunen hinzu. Vielerorts sind die Kassen leer. Ein Spielraum bleibt meist nicht.
Aber nicht nur die Gemeinden kämpfen um jeden Cent, auch Betriebe sind davon betroffen. So auch die noch verbliebene staatliche Forstwirtschaft.
Waldbrandschutz kostet viel Geld. Zukünftig wird wohl das ein oder andere eingespart werden, um nicht gänzlich in den roten Zahlen versinken zu müssen.
Die Folgen wären dramatisch und sind schon jetzt teilweise zu sehen.
Zahlreiche Waldwege werden nur noch für das gröbste freigehalten.
Der Waldumbau hin zu Mischwäldern gerät mehr und mehr ins Stocken.
Meist wird nur noch auf Zurufe der Feuerwehr gehandelt, wenn überhaupt.
Und selbst bei den Überwachungsflügen hat man Einsparpotenzial gefunden.


Fazit:

Die Bevölkerung von Deutschland wird weniger und älter. Der ländliche Raum ist davon am stärksten betroffen. Die hohe Abwanderung von jungen Leuten auf der Suche nach Arbeit verschärft das ganze um ein vielfaches.
Zurückbleiben Ortschaften mit überwiegend älteren Menschen und Feuerwehren, die nur noch selten voll Einsatzbereit sind. Zukünftig muss bei einem Waldbrand Großalarm ausgelöst werden, um wenigstens eine Handvoll Löschkräfte am Einsatzort zu haben.
Die Feuerwehren werden sich aber auch darauf einstellen müssen, öfter größere Waldbrände beim Eintreffen am Einsatzort vor zu finden.
Ob die Erfahrungsgemäße erste halbe Stunde für die Vermeidung größere Brände dann in irgendeiner Form noch genutzt werden kann, kann jetzt noch nicht sicher gesagt werden.
Der aus Geldnot mangelhafte vorbeugende Waldbrandschutz wird sein übriges tun.

Gesamtfazit:

Wenn man sich die zukünftigen Klimamodelle für Deutschland anschaut, wird deutlich, dass es hier bei uns zunehmend trockenerer und wärmer wird. Die Zunahme von Extremwetterereignissen wird ebenfalls ein Problem darstellen.
Die Wälder werden auf Grund von fehlendem Niederschlag im Frühjahr und Sommer trockener, waldbrandgefährdeter. Es wird Baumarten geben, die damit fertig werden, andere dafür von der Landkarte gänzlich verschwinden. Die Kiefer wird als Hauptwirtschaftbaum einen deutlichen Schub erhalten.
Der Wald wird somit leichter entzündlich, und das auf großer Fläche. Der wegen Sparmaßnahmen spärlich ausfallende Waldbrandschutz wird sich positiv auf das Brandverhalten ausüben. Dazu trägt ebenso die Zunahme an Brennstoffen bei, welche vermehrt in den Wäldern liegen bleiben.
Die Wälder Deutschlands werden also in Zukunft vermehrt von größeren und intensiveren Bränden heimgesucht.

Dem Gegenüber stehen noch die vorhandenen Freiwilligen Feuerwehren, die kaum noch ausreichend Einsatzkräfte zum Einsatzort führen können. Vielfach wird es eine größere Zeit in Anspruch nehmen, um den Erstschlag überhaupt irgendwie ins Rollen zu bringen.
Für die meist älteren Einsatzkräfte wird die zunehmende Erwärmung die ganze Situation noch verschärfen. Waldbrände, die auf Grund ihrer Größe über mehrere Tage bekämpft werden müssen, werden zu regelrechten Kämpfen zwischen Mensch und Natur ausarten.

Es sieht so aus, als ob wir uns in Deutschland in Zukunft an das Bild von katastrophalen Waldbränden gewöhnen müssen. Aufzuhalten ist weder der Klimawandel, noch die demografische Entwicklung.
Wenn wir uns aber alle gemeinsam der zu Erwartenden Probleme heut schon stellen, haben wir die Möglichkeit, dass ganze etwas abzumildern.

Die gewonnenen Erfahrungen der Vergangenheit dürfen auf keinen Fall vergessen werden. Waldbrandschutz muss auch zukünftig in einem gesunden Maß erfolgen.
Die größte Hilfe aber sind wir selber. Denn wir sind für 98% aller auftretenden Waldbrände verantwortlich. Ob fahrlässig beim Rauchen im Wald oder der vorsätzlichen Brandstiftung.
Am Ende entscheidet das Handeln jedes einzelnen Bundesbürger darüber, wie die Zukunft aussehen wird.
Eines scheint jedoch klar Waldbrandkatastrophen wird es auch zukünftig in Deutschland geben.


Andreas Hanl
Weißwasser, 29.8.2011

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